Courbet, Gustave
*15.6.1819 in Ornans 
31.12.1877 in La Tour-de-Peilz (Suisse) 
Jby Markus Feizlmayr

Biografische Eckdaten

Wohnorte
bis 1837 Ornans 
bis 1840 Besancon
ab  1840 Paris, Sommeraufenthalte in Montpellier, Ornantes 
1858 - 59 besuchte Courbet im Winter Frankfurt am Main, wo er - entzückt über die Bewunderung, die man ihm in Deutschland entgegenbrachte - eine Ausstellung veranstaltete. Die Beziehungen zu Deutschland waren durch den Besitzer des Restaurants Andler, einem Münchner, zustandegekommen, der in Courbet den Spiritus rector einer Pariser Schule vermutet hatte.
ab  1873 La Tou-de-Peilz am Genfer See 

Politisches Engagement
1870 zur Nationalgarde einberufen, beteiligte Courbet sich im folgenden Jahr an der Revolutionsregierung; er wurde Mitglied der Kommune und zur »Instruction publique« delegiert. Nach der Niederlage der Kommune wurde Courbet verhaftet und vor ein Gericht gestellt, das ihn völlig ungerechtfertigt für den Sturz der Vendôme-Säule verantwortlich machte. Er verbüßte eine sechsmonatige Gefängnisstrafe und kehrte anschließend nach Ornans zurück. Als dem Maler 1873 eine neuerliche Arretierung drohte - als Schuldhaft für die Folgen und Kosten des Zivilprozesses, floh Courbet in die Schweiz.
1870 Courbet lehnt das Kreuz der Ehrenlegion ab, weil er die Monarchie ablehnt. Er wird zum Präsidenten der Künstlervereinigung gewählt, die sich um den Schutz der Kunstwerke in und um Paris kümmern soll
1871 Er wird zum Deligierten der Kommune für die Schönen Künste ernannt und nach dem Sturz der Kommune verhaftet und für die Zerstörung der Vendôme-Säule verantwortlich gemacht. Ein Gericht verurteilt ihn zu Gefängnis und einer hohen Geldstrafe
1873 Courbet wird wegen der Zerstörung der Vendôme-Säule zu Schadensersatz verurteilt, seine Bilder werden beschlagnahmt, er flieht in die Schweiz ins Exil und beginnt stark zu trinken
1877 Nach mehreren Prozessen um seine Rehabilitation bleiben ihm 300000 F Schulden. Seine Bilder und Möbel, soweit in Paris verblieben, werden versteigert. Er erkrankt an Wassersucht und stirbt am 31.12.1877 in der Schweiz

Elternhaus 
eine wohlhabende Bauernfamilie in Ornans, Provinz Franche-Comté 

.
Beruflicher Werdegang

1837 Besuch des königlichen Gymnasiums in Besancon und einer privaten Zeichenschule
1839 Illustration eines Gedichtbandes mit 4 Litographien
1840 Beginn und Abbruch eines Jura-Studiums in Paris; er widmet sich ganz  der Malerei 
1849 Erste Ausstellung von Werken im pariser Salon; Regelmäßige Beteiligung zum alljährlichen Salon folgt 
1853 Austellung des Gemäldes "die Badenden" im Salon löst einen Skandal aus . Erwerb von Bildern Courbet's durch den Sammler Bruyas
1855 Courbets wichtige Bilder werden von der Jury der Weltausstellung zurückgewiesen; Daraufhin zieht er seine Bewerbung ganz zurüch und eröffnet in einem gemieteten Zelt den "Realismus", wo er vierzig seiner Bilder ausstellt

1858 Ausstellung in Frankfurt a.M.; Courbet stößt auf Sympathie, fühlt sich bestärkt in seinem Schaffen
1870 Courbet lehnt das Kreuz der Ehrenlegion ab, weil er die Monarchie ablehnt. Er wird zum Präsidenten der Künstlervereinigung gewählt, die sich um den Schutz der Kunstwerke in und um Paris kümmern soll
1871 Er wird zum Deligierten der Kommune für die Schönen Künste ernannt 

Freundschaften, Geistige Verwandtschaften

Charles Baudelaire; Alfred Bruyas; Proudhon; Max Buchon; Champleury; Francis Wey; Corot
In den 50er Jahren fand Courbets Begeisterung für den Sozialismus sich im Einfluss des Philosophen Proudon auf den Maler wieder.
Der Maler erwarb sich auch durch sein gutmütiges Wesen und seine Trinkfestigkeit allgemeine Sympathie.

.
Wichtige Bilder

1849 "Nachmittag in Lilles"," Der Mann mit dem Ledergürtel" 
1850 "die Steinklopfer", "das Begräbniß von Ornans"
1854 "Die Begegnung"
1855 "Das Atelier"

Stilentwicklung

1840 Erste Landschaften (Forst von Fontainebleau), Portraits von Sich, Freunden, Familienangehörigen
1842 Stilwechsel zu "abgeschmacktem naiven Romantizismus" 
1847 Studien alter Meister im Louvre und auf Reisen in Holland und Italien
        Befreiung zu "reiner" Malweise
1850 Enstehung erster "realistischer" Bilder 
 - 51 
1854 Enstehung erster Seestücke, Portraits von Bruyard 
       Freilichtmalerei  in Montpellier und letztendliche Befreiung vom Romantischen 
        Die Bilder werden heller
1855 Sozialistische Ideen gewinnen in "Das Atelier" allegorisch bildhafte Gestalt
1861 Gipfel von waidmännischem Einfluss: Entstehung von Jagdstücken
 

Themen, Techniken, Charakteristika

Courbet hat sich, von keiner Schultradition belastet, als Autodidakt seine Technik selbst erarbeitet. Man muß durch die höfische und bürgerliche europäische Malerei dreier Jahrhunderte bis zu den darstellenden Künstlern des Mittelalters zurückgehen, um ein Vorbild für Courbets schlichte und gradlinige Kunst zu finden.Da er nichts über das »edle Handwerk« wußte, das seit den van Eycks in der Kunst einer transparenten Malweise bestand, trug er die Farben grob mit dem Spachtel auf, wobei er in den aufeinanderfolgenden Schichten einzelne Stellen aussparte, so daß die darunterliegende Schicht sichtbar wurde. Dadurch erzielte er ohne zu lasieren Effekte von einer Tiefe und Dichte, wie sie frühere Maler - beispielsweise auch Delacroix - durch Transparenz erreichten. 

Wie zu seinen Lebzeiten läuft Courbet auch heute Gefahr, mehr nach seinen Ansichten als nach seinen Werken beurteilt zu werden. Von den herrschenden Schichten seiner Epoche wegen seiner sozialistischen Überzeugung verachtet, gilt er jetzt bei einem Teil der Kunsthistoriker als der revolutionäre Maler schlechthin, ja, die Kommunisten gehen so weit, aus ihm einen Vorläufer des sozialistischen Realismus zu machen. Es ist in der Tat seltsam zu sehen, welches Aufheben man von den Ideen eines Mannes macht, dessen Kunst kaum etwas mit seinen Anschauungen gemein hat. Courbet hat in seine Malerei weit weniger politi-
sche Absichten gelegt als Daumier und Millet. Und wenn er einmal seinen Vorstellungen bildlichen Ausdruck zu verleihen trachtete, dann geschah das so verklausuliert, daß man einen Code brauchte, um seine Andeutungen entziffern zu können. Das bezieht sich auch auf sein Gemälde "Das Atelier" (Paris), einer »realistischen Allegorie«, das zwar eine wundervolle Sammlung von Porträts ist, aber in nichts erkennen läßt, daß das vor Baudelaire stehende Paar die »freieLiebe« symbolisieren soll.

( aus: Kindler's Malereilexicon )